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Chronologie der Auseinandersetzungen um die Nakba-Ausstellung

Die Chronologie will selbstverständlich keine potentiellen Ausstellungsveranstalter abschrecken, sie will vielmehr deutlich machen, dass es mit einer sachlichen Argumentation, einer guten internen Zusammenarbeit der Veranstalter und vor allem mit politischem Rückgrat möglich ist, die Ausstellung erfolgreich mit großem Publikumsinteresse durchzuführen. Nach dem Auftritt der Ausstellung Anfang 2014 im EU-Parlament in Straßburg und Ende 2014 im Palast der Vereinten Nationen in Genf sollte es nicht mehr schwierig sein, dieses Rückgrat aufzubringen.

Die Chronologie führt soweit möglich die Original-Schreiben der Kritiker auf. Ansonsten dokumentiert sie den Ablauf durch Presseartikel. Für an der Ausstellung Interessierte ist eine zusammenfassende Argumentationshilfe erhältlich bei Ingrid Rumpf.

2008, 02.-30.04., Ulm, Volkshochschule

Die Deutsch-Israelische Gesellschaft Ulm „protestiert gegen die systematisch angelegte Einseitigkeit zu Lasten Israels.“ Auf das Angebot der VHS, die DIG-Position auf Schautafeln neben der Ausstellung herauszustellen, hat sie nach interner Diskussion verzichtet.

Bis auf die Stellungnahme der DIG Ulm im Rahmen des aller ersten Ausstellungstermins in Ulm gab es bis zum Mai 2010 in Hannover keine Kritik an der Ausstellung.

Südwest Presse 11.04.2008

2010, 24.5.-06.06., Hannover, Volkshochschule

Die DIG Hannover (Kay Schweigmann-Greve) fordert ihre Mitglieder und Freunde in einer Rundmail auf, bei dem Leiter der Volkshochschule und dem zuständigen Fachbereichsleiter gegen die Ausstellung zu protestieren. Vorwürfe u.a.: „tendenziöse Propagandaausstellung, die – wie die arabische Propaganda seit sechs Jahrzehnten – das Bild vom „bösen Israeli“ malt und die Palästinenser ausschließlich als Opfer darstellt“, „Gemeinsame Linie ist immer die Diffamierung und Dämonisierung der "sog. Zionisten", der "Zionisten" oder einfach der Juden.“

Rundmail DIG Hannover
eigene Stellungnahme
Hannoversche Allgemeine Zeitung 19.05.2010
Hannoversche Allgemeine Zeitung 20.05.2010

Die VHS steht zu der Ausstellung.

2010, 10.06.-27.06., Tübingen, Kirche am Markt

Ein „Arbeitskreis Begegnung mit der jüdischen Gemeinde Petrosawodsk“ an der Dietrich-Bonhoeffer-Kirche in Tübingen (Michael Volkmann) schreibt an alle Pfarrämter der Evangelischen Gesamtkirchengemeinde Tübingen und die Dekanin und bezieht sich u.a. auf „Honestly Concerned“ (Nahostkonflikt-Doppelausgabe, 21.5.2012): „Diese Ausstellung ist absolut einseitig, schürt Israelhass und stellt das Existenzrecht Israels in Frage.“

Außerdem meldet sich eine anonyme (!) „Tübinger Initiative gegen Antisemitismus und Antizionismus“ zu Wort und fordert „den sofortigen Abbau der Nakba-Ausstellung, weil diese massive antijüdische und antiisraelische Ressentiments schürt und Israels Existenz in der deutschen Öffentlichkeit untergräbt!“

Die Stiftskirchengemeinde steht zu der Ausstellung. Prof. Dr. Ernst Tugendhat übernimmt die Schirmherrschaft.

Schreiben „Arbeitskreis Begegnung mit der jüdischen Gemeinde Petrosawodsk“
Schreiben „Tübinger Initiative gegen Antisemitismus und Antizionismus“
Schwäbisches Tagblatt 15.06.2010
Rede Prof. Dr. Ernst Tugendhat

2010, 17.06.-30.06, Frankfurt, DGB-Haus

Schon Anfang Februar 2010 erfolgte die Zustimmung des DGB Frankfurt (Horst Koch-Panzner), der den Willi-Richter-Saal im DGB-Haus für den 17.6. zur Eröffnung der Nakba-Ausstellung gebucht hat. Der DGB wollte als Mitveranstalter auftreten. Noch am 8.5. stand der Ausstellungsort außer Zweifel. Am 31.5.2010 erhielten die Veranstalter vom DGB-Aufsichtsratsvorsitzenden (Harald Fiedler) die Absage, Begründung: „Die Darstellung entspricht nicht unserer Politik, die auf gegenseitiges Verständnis von Juden und Palästinensern gerichtet ist. Diese Zielsetzung lässt sich aus unserer Sicht mit dieser Ausstellung nicht verwirklichen.“ Der DGB bestritt, von irgendeiner Seite unter Druck gesetzt worden zu sein.

In der Frankfurter Lehrerzeitung (GEW) erschien ein die Ausstellung diffamierender Artikel von Ernst Olbrich. Eine Gegendarstellung wurde in der nächsten Ausgabe der Lehrerzeitung veröffentlicht.

Die Ausstellung erhielt daraufhin Asyl im Ökumenischen Zentrum der Christus-Immanuel-Kirche.

Die Ausstellung war unter gewerkschaftlicher Mitveranstaltung bereits im Januar 2009 im DGB-Haus Stuttgart und im Juli 2009 im Verdi-Haus Karlsruhe gezeigt worden.

Diffamierender Artikel von Ernst Olbrich
Die Gegendarstellung

2010, 28.08.-08.09., Siegen, Nikolaikirche

Per Email forderte eine „PRO-ISRAEL-INITIATIVE NEVERAGAIN“ die Superintendentin des Kirchenkreis Siegen auf, darauf hinzuwirken, dass die Kirchengemeinde der Nikolaikirche von der Ausstellung Abstand nimmt.

Die Kirchengemeinde steht zu der Ausstellung.

Anonyme Email

2010, 12.11.-27.11., Freiburg, Stadtbibliothek

Die Veranstalter erhielten Ende September von der Stadtbibliothek die Zusage, die Ausstellung dort zeigen zu können. Am 29.10., 14 Tage vor Ausstellungsbeginn, nachdem die fertige PDF des Stadtbibliotheksprogramms inkl. Nakba-Ausstellung dem Pressereferat der Stadt zur Veröffentlichung im Amtsblatt vorgelegt worden war, zog die Stadt die Zusage zurück. OB Salomon sah die Stadt gehalten, „die Ausstellung aufgrund der einseitigen Darstellung und des Fehlens wichtiger Informationen zu diesem komplexen Thema abzusagen.“

Dagegen legten die Veranstalter einstweiligen Rechtsschutz ein, den das Verwaltungsgericht am 10.11. gewährte. Die Ausstellung musste in der Stadtbibliothek gezeigt werden.

Artikel Der Sonntag 07.11.2010
Urteil Verwaltungsgericht Freiburg
Bericht von Benjamin Weinthal in der Jerusalem Post
Freiburger Amtsblatt 19.11.2010

2011, 18.01.-28.01. Darmstadt, Offenenes Haus (Evangelisches Forum)

Ein Flugblatt eines anonymen (!) „AK Ideologiekritik Darmstadt“ sah in der Ausstellung neben anderen abstrusen Vorwürfen „einseitige Geschichtsklitterungen von Neonazis“.

Die Ausstellung blieb davon unbeeindruckt.

Anonymes Flugblatt

2011, 16.03.-31.03. Düsseldorf, Volkshochschule

Die Ausstellung wurde eröffnet und bis zum 24.3. in der Volkshochschule in Düsseldorf gezeigt. Nach einer Begehung der Ausstellung durch Herrn Szentei-Heise von der Jüdischen Gemeinde Düsseldorf auf Einladung der Volkshochschule wurde die Ausstellung ohne Rücksprache mit den Veranstaltern abgebaut. Gleichzeitig polemisierte eine anonyme (!) „Assoziation gegen Antisemitismus und Israelfeindschaft NRW“ in Emails gegen die Ausstellung und rief zu einer Demonstration gegen die Ausstellung auf.

Der Antrag der Veranstalter auf Erlass einer einstweiligen Anordnung gegen die Stadt Düsseldorf hatte diesmal keinen Erfolg, da er nicht ausreichend begründet war. Die anschließend erhobene Klage gegen den das Vorgehen der Stadt Düsseldorf wurde zwar vom Gericht nicht angenommen, endete aber mit einem Vergleich, bei dem das Verhalten der Stadt unmissverständlich gerügt wurde. Die zunächst grundsätzliche Bereitschaft des Kirchenvorstands der Bunkerkirche in Düsseldorf, die Ausstellung im Herbst zu zeigen, wurde nach einem Wechsel des leitenden Pfarrers zurück gezogen. In einer Presseerklärung gaben die Veranstalter die Chronologie in Düsseldorf wieder.

Mit einem mehrspaltigen Artikel über die Kontroversen um die Ausstellung in Deutschland griff mit der Neuen Zürcher Zeitung zum ersten und bisher einzigen Mal eine überregionale Zeitung das Thema auf.

Rheinische Post 29.03.2011
Anonyme Email Assoziation gegen Antisemitismus und Israelfeindschaft NRW
Rheinische Post 12.10.2011
Rheinische Post 24.10.2011
Unsere Presseerklärung 22.10.2011
Neue Zürcher Zeitung 29.04.2011

2011, 03.04.-25.04. Besigheim, Wartesaal

In Besigheim forderte die DIG Stuttgart (Bärbel Illi) in einem offenen Brief den sofortigen Abbruch der Ausstellung. Die Veranstalter standen zu der Ausstellung, ermöglichten aber der DIG im Oktober des Jahres, eine Ausstellung über Israel zu zeigen.

Offener Brief DIG Stuttgart
Stuttgarter Zeitung 29.04.2011
Bericht über DIG-Ausstellung)

2011, 07.05.-21.05. Aachen, Haus der Evangelischen Kirche

Im Vorfeld der Ausstellung hat der Vorsitzende der Gesellschaft für Christlich-Jüdische Zusammenarbeit die Veranstalter in die Nähe von Nazis gerückt. Die daraus folgende Kontroverse innerhalb der Gesellschaft änderte nichts an der grundsätzlich ablehnenden Haltung der Gesellschaft an der Nakba-Ausstellung. In die Reihe der Kritiker gesellte sich die jüdische Gemeinde, die DIG Aachen und die VVN Aachen. Die Aachener Zeitung begleitete die gesamte Diskussion vor, während und nach der Ausstellung auf journalistisch hervorragende Art und Weise. Beide Seiten werden dargestellt, so dass sich die Leser selbst ein Bild machen können. In der Ausstellung lagen die Stellungnahme der DIG, eine Stellungnahme der Evangelischen Kirche Aachen und eine Stellungnahme zu beiden von der Ausstellungsmacherin aus.

Die Ausstellung wurde wie geplant im Haus der Evangelischen Kirche gezeigt.

Aachener Nachrichten 14.04.2011
Kritik der DIG Aachen
Kritik der VVN Aachen
Unsere Stellungnahme zur Kritik
Aachener Nachrichten 03.05.2011
Aachener Nachrichten 09.05.2011
Aachener Nachrichten 18.05.2011

2011, 23.09.-20.10. Heidelberg, Volkshochschule

Die Presse berichtete im Vorfeld über herbe Kritik an dem Ausstellungsvorhaben von Seiten der jüdischen Gemeinde und von Prof. Johannes Heil von der Hochschule für Jüdische Studien in Heidelberg. Mitglieder der VVN-BdA Heidelberg verteilten bei der Eröffnung Flugblätter gegen die Ausstellung, obwohl die VVN als Mitveranstalter auftrat. Die Volkshochschule blieb bei ihrem Vorhaben und zeigte die Ausstellung.

Mannheimer Morgen 22.09.2011
Flugblatt VVB-DdA Heidelberg

2011, 09.11.-25.11. Mainz, ESG-Kirche der Evangelischen Studierendengemeinde

In anonymen (!) Schreiben und Mails diffamierte die „Kritische Linke an der Uni Mainz“ die Ausstellung u.a. gegenüber Stephan Krebs (Pressesprecher der Evangelischen Kirche Hessen/Nassau in Darmstadt) und Dr. Klaus-Volker Schütz (Probst der EKHN) mit der Behauptung, in der Ausstellung würden Mittel und Ziele der israelischen Politik mit jenen der Nazis identifiziert.

Die Ausstellung wurde wie geplant gezeigt.

Anonymes Schreiben der „Krili“

2012, 07.06. - 04.07.2012 Braunschweig, Brunsviga

Hier kam der Widerstand von der örtlichen DIG, Der Gesellschaft für christlich-jüdische Zusammenarbeit, dem DGB und von der anonymen Antifaschistischen Gruppe Braunschweig. DGB und DIG verfassten einen Text, der als Transparent in der Brunsviga aufgestellt wurde. Die Antifaschistische Gruppe Braunschweig demonstrierte mehrfach vor der Brunsviga mit dem Transparent "Hinter dem Ruf nach Frieden verschanzen sich die Mörder". Auch in Braunschweig war das Interesse an der Ausstellung und den Begleitveranstaltungen groß. Sehr konstruktiv verlief eine Podiumsdiskussion zwischen Prof. Dr. Rolf Verleger als Unterstützer und Michael Kleber, DGB-Regionsvorsitzender, als Kritiker der Ausstellung.

Transparent von DGB, GCJZ und DIG
Kommentare zum obigen Transparent
Anonymes Pamphlet der Antifaschistischen Gruppe Braunschweig und Foto

2012, 11.06.-24.06. Köln-Ehrenfeld, Allerweltshaus

Trotz der Städtepartnerschaft zwischen Köln und Bethlehem setzt die Stadt Köln der Ausstellung leider großen Widerstand entgegen, beschädigt damit die Partnerschaft und lässt es vollkommen am Verständnis für die Empfindungen und das Selbstverständnis der Menschen in Bethehem fehlen.

Bedenklich ist vor allem, dass der für Städtepartnerschaft Köln/Bethlehem verantwortliche Referatsleiter versucht hat, die Ausstellung in Köln zu verhindern. Wiederholt hat er betont, dass auf keinen Fall städtische Räume für sie zur Verfügung gestellt werden würden und selbst das Allerweltshaus, wo die Ausstellung gezeigt wird, wurde unter Druck gesetzt. Es wurde u.a. auf seine Intitiative aus Anlass der Ausstellung ein Kölner Arbeitskreis Israel-Palästina gegründet, dessen erste Aktivität darin bestand, die Ausstellung in einer Erklärung zu verunglimpfen, die vom Kölner Oberbürgermeister Roters und anderen Vertretern der Kirchen und weiteren Institutionen unterzeichnet worden ist.

Zu der Erklärung wurde eine Stellungnahme verfasst und ein Schreiben an die Unterzeichner gerichtet. Um seine Unterstützung der Ausstellung zu unterstreichen hat der palästinensische Botschafter Salah Abdel Shafiam 19.06.die Ausstellung in Köln besucht.

Insgesamt ist die Ausstellung und sind die Begleitveranstaltungen auch aufgrund der Auseinandersetzungen auf sehr großes Interesse gestoßen.

Erklärung Kölner Arbeitskreis Israel-Palästina
Unsere Stellungnahme an die Unterzeichner
Stellungnahme der Palästinensischen Diplomatischen Mission
Brief von Manfred Kock, Präses i.R. und ehemaliger Ratsvorsitzender der EKD, an die Unterzeichner der Kölner Erklärung

2012, 01.11.-02.12. Bern, Kornhausforum

Auch hier begleitete eine heftige Debatte die Ausstellung. Diese wurde allerdings von sehr viel mehr Sachlichkeit als in Deutschland getragen. 3500 interessierte Besucher, darunter etliche Schulklassen, haben die Ausstellung gesehen. Damit hat die Ausstellung genau das erreicht, was ihre Intention ist, nämlich eine breite, auch kontroverse Diskussion zur Geschichte des Nahostkonflikts anzustoßen.

Berner Zeitung, 17.11.2012

2012, 13.11.-27.11 Nürtingen, Katholisches Gemeindehaus St. Johann

In Nürtingen haben es sich die Stuttgarter Nachrichten mit dem Journalisten Franz Feyder zur Aufgabe gemacht, die Nakba-Ausstellung zu diffamieren. Zwei Berichte erschienen vor der Ausstellungseröffnung, in denen die Stiftung Entwicklungs-Zusammenarbeit des Landes Baden-Württemberg und die Veranstalter in Nürtingen einschließlich die Ausstellung selbst verunglimpft werden. Trotz wochenlanger Recherche hat F. Feyder mit der Autorin der Ausstellung nicht einmal von sich aus Kontakt aufgenommen hat.

In einem dritten Bericht lässt er Michael Woffsohn, Friedrich Schreiber und Benny Morris zur Ausstellung zu Wort kommen, drei Auoren, die in der Ausstellung neben anderen zitiert werden. Zu zwei Artikeln (alle drei waren nie online) unten eine Stellungnahme.

Trotz der Anfeindungen steht die Stiftung Entwicklungs-Zusammenarbeit des Landes Baden-Württemberg hinter ihrer Förderung und die Veranstalter stehen zu der Ausstellung. Sie stößt auf großes öffentliches Interesse und die anderen regionalen Zeitungen haben angemessen berichtet. Hunderte von Besuchern haben die Ausstellung gesehen.

Gegen die Schmähartikel der Stuttgarter Nachrichten hat die Autorin der Ausstellung Beschwerde beim Deutschen Presserat eingereicht. Die Ausführungen des stellvertretenden Chefredakteurs, mit der er das Vorgehen der Zeitung gegenüber dem Presserat gerechtfertigt hat, sind z.T. ungeheuerlich. Der Beschwerde wurde erfreulicherweise stattgegeben und der Beschwerdeausschuss hat in einem ersten Schritt eine Missbilligung ausgesprochen. Dagegen legten die Stuttgarter Nachrichten Widerspruch ein, dem stattgegeben wurde. Am 9.9.2013 entschied der Presserat erneut und stufte die Missbilligung auf einen sogenannten Hinweis herab. Der Presserat sieht in der Veröffentlichung unter der Überschrift „Verzerrte Weltsicht in Nürtingen“ weiterhin eine Verletzung der in Ziffer 2 Pressekodex definierten journalistischen Sorgfaltspflicht, würdigt aber die Recherchebemühungen der Stuttgarter Nachrichten mehr als bei seiner ersten Entscheidung.

Stuttgarter Nachrichten 10.11.2012
Unsere Stellungnahme dazu
Stuttgarter Nachrichten 17.11.2012
Unsere Stellungnahme dazu
Missbilligung des Deutschen Presserats
Hinweis des Deutschen Presserats mit Stellungnahme

2012, 13.11.-28.11. Nürnberg, Container auf dem Rathausplatz

Hier begannen die Auseinandersetzungen über die Ausstellung schon im Sommer, als der neue Stadtdekan es grundsätzlich verbot, die Ausstellung im "eckstein", der Evangelischen Stadtakademie, zu zeigen. Stadtdekan Körnlein begründete das u.a. damit, dass die Ausstellung "eine Chiffre für Aggression" sei. Damit rügt er nicht etwa das aggressive Vorgehen der Ausstellungsgegner, sondern macht macht die sachliche und unpolemische Ausstellung für die sie begleitenden verbalen Attacken verantwortlich.

Die Ausstellung wird daraufhin vor dem "eckstein" in einem Baucontainer auf dem Rathausplatz gezeigt. Trotz des öffentlichen Interesses an der Ausstellung (ca. 600 Besucher haben die Veranstalter im Ausstellungscontainer gezählt) berichtet die lokale Presse während der Ausstellung nicht.

Erst als Bürgermeister Klemens Gsell die Nürnberger Schulen warnt, den im Begleitprogramm gezeigten Film "Wir weigern uns Feinde zu sein" (gefördert u.a. von der Robert-Bosch-Stiftung und dem Auswärtigen Amt) im Unterricht zu verwenden, reagiert die Presse. Die Filmemacher haben zwischenzeitlich beim Landgericht Fürth einen Antrag auf Erlass einer Einstweiligen Verfügung gestellt, mit der sie die Unterlassung der diffamierenden Behauptungen durchsetzten wollen.

Nürnberger Nachrichten, 18.7.2012

2013, 2.5.-4.5., Hamburg, Deutscher Evangelischer Kirchentag

In einer koordinierten Aktion wandten sich u.a. verschiedene Regionalgruppen der Deutsch-Israelischen Gesellschaft (Stuttgart, Freiburg, Heilbronn, Rostock, Aachen) und der Denkendorfer Kreis für Christlich-Jüdische Begegnung an die Kirchentagsleitung und forderten das Verbot der Nakba-Ausstellung. Die Kirchentagsleitung beugte sich den Forderungen nicht. Sie verwies darauf, dass der Markt der Möglichkeiten, wo die Ausstellung am Stand von Flüchtlingskinder im Libanon e.V. gezeigt wurde, gerade Raum für Kontroversen und Dialog bieten soll, was durch die Vielzahl der verschiedenen zum Nahost-Thema zugelassenen Stände gewährleistet sei.

Supersonntag, 21.4.2013
Supersonntag, 28.4.2013

2013, 3.9.–27.9., Überlingen, Stadtbücherei

Im Vorfeld der Ausstellung forderte die ehemalige Vorsitzende der Jüdischen Gemeinde Konstanz von der Stadt Überlingen das Absetzen der Ausstellung und ein Überlinger Stadt rat unterstellte eine antisemitische Haltung der Ausstellungsmacher und –veranstalter. Im Südkurier dominierte deutlich die Kritik an der Ausstellung. Die Stadt Überlingen hielt an der Ausstellung fest und freute sich über den außergewöhnlich guten Besuch („die bisher bestbesuchte Ausstellung in der langen Geschichte unserer Stadtbücherei“).

Südkurier, 4.9.2013
Südkurier, 7.9.2013
Südkurier, 12.9.2013

2013/2014, 15.12.2013 - 15.01.2014, München, Montessori-Fachoberschule

Auslöser der Auseinandersetzungen war ein Presseartikel in der Jüdischen Allgemeinen:

Jüdische Allgemeine, 21.11.2013
Gegendarstellung

Die sich anschließende Diffamierungskampagne gipfelte in einer Pressekonferenz u.a. mit Charlotte Knobloch von der Israelitischen Kultusgemeinde München und Oberbayern, der Deutsch-Israelischen Gesellschaft und der Grünen Jugend München.

Als sich die Montessori-Fachoberschule trotzdem nicht in ihrem Vorhaben beirren ließ, versuchten es die "Kritiker" erfolglos mit üblen Unterstellungen gegenüber dem Flüchtlingskinder-Verein und seiner Partnerorganisation im Libanon. Die Montessori-Schule zog abschließend ein ausgesprochen positives Resümee. Die Verantwort­lichen der Schule bereuen es keine Sekunde, die Ausstellung gezeigt zu haben und würden sie jeder Schule und jeder Institution weiterempfehlen (s. Resümee).

Süddeutsche Zeitung, 16.12.2013
Süddeutsche Zeitung, 17.12.2013
Abendzeitung München, 17.12.2013
Süddeutsche Zeitung, 20.12.2013
Unsere Erklärung zur Diffamierungskampagne
Erklärung der Montessori-Fachoberschule
Honestly concerned steuert Diffamierungskampagne
Resümee der Montessori-Fachoberschule München

2014, 25.03.-12.04., Villingen-Schwenningen, Stadtbibliothek

Hier störte sich insbesondere die DIG Konstanz daran, dass OB Rupert Kubon die Ausstellung eröffnet hat und diffamierte die Ausstellung als juden- und Israel-feindlich. Außerdem verteilte eine pro-israelische christliche Gruppe um ein SPD-Mitglied hetzerische Flugblätter vor der Stadtbücherei. Dazu folgende

aktualisierte Stellungnahme

2014, 31.03.-13.04., Lübeck, DGB-Haus

Die Ausstellung im DGB-Haus in Lübeck verlief widerspruchslos. Günter Grass und Rupert Neudeck besuchten die Ausstellung. Allerdings kritisierte im Anschluss an die Ausstellung der israelische Botschafter Yakov Hadas-Handelsman in einem Brief an den Bezirksvorsitzende und den Bundesvorsitzenden Reiner Hoffmann das Zeigen der Ausstellung scharf. Der DGB-Bezirk Nord schloss in seinem Antwortschreiben ausdrücklich nicht aus, die Ausstellung auch zukünftig in DGB-Räumen zu zeigen.

2015, 06.01. – 27.02. Brandenburg an der Havel, Bibliothek der Fachhochschule Brandenburg

Der israelische Botschafter Yakov Hadas-Handelsman hat erneut interveniert, diesmal bei der Präsidentin der FH und bei den Veranstaltern und in cc an den SPD-Vorsitzenden Sigmar Gabriel und den Ministerpräsidenten Dr. Dietmar Woidke. Es ist sicher sein Recht, israelische Interessen zu vertreten und somit die Ausstellung zu kritisieren. Die Ausstellung zu diffamieren und dringlichst deren Abbau zu fordern, muss aber entschieden zurück gewiesen werden. Dieses Verhalten beschädigt das Grundrecht auf freie Meinungsäußerung und vergiftet den politischen Frieden in Deutschland. Die Fachhochschule hält an der Ausstellung fest. Ein von der FH vorgeschlagenes Podium konnte nicht stattfinden, weil die "Gegenseite" keinen Kandidaten benennen konnte.

Brief an Sigmar Gabriel (und Dr. Dietmar Woidke)

2015, 18.02. – 15.03. Bremen, Zentralbibliothek

Hier haben die Deutsch-Israelische Gesellschaft, Vertreter der jüdischen Gemeinde und ein anonymes linksradikales "Aktionsbündnis gegen Antisemitismus", die "C3-Gruppe gegen die Beschissenheit der Dinge", gegen die Ausstellung mobil gemacht. Auch Honestly Concerned rief dazu auf, "sich bei allen relevanten Stellen und beteiligten Personen und Organisationen zu beschweren". Die Bremer TAZ und der Weserkurier ergriffen Partei für die "Kritiker".

Über die Auseinandersetzungen und den großen Erfolg der Ausstellung lesen Sie den Abschlussbericht der Veranstalter.

TAZ Bremen, 03.02.2015
gekürzter Leserbrief, 09.02.2015
Weserkurier, 19.02.2015
Leserbrief, nicht erschienen

2016, 29.07. - 14.08. Hechingen, Villa Eugenia

In Schreiben an den Verantwortlichen der Villa Eugenia und die Hechinger Bürgermeisterin wurde die Absetzung der Nakba-Ausstellung gefordert (DIG Stuttgart) und darüber hinaus der Verein "Flüchtlingskinder im Libanon e.V." mit unhaltbaren Verleumdungen überzogen (Janusz Korczak Akademie e.V., München), die schon Anfang 2014 erhoben und vom Verein richtig gestellt worden sind. Die Folge war ein erfreuliches Echo in der lokalen Presse, das dafür sorgte, dass Hunderte von Interessierten die Ausstellung besucht haben, und das trotz Sommerferienbeginn und obwohl die Ausstellung nur an drei Tagen in der Woche geöffnet war.

Hohenzollerische Zeitung, 26.07.2016
Hohenzollerische Zeitung, 01.08.2016
Schwäbisches Tagblatt, 04.08.2016

2016, 30.11. - 30.12.2016, Göttingen, Galerie Alte Feuerwache

Die Nakba-Ausstellung sollte ursprünglich vom 1.11. bis zum 30.11.2016 mit umfangreichem Rahmenprogramm in der Georg-August-Universität Göttingen gezeigt werden. Das Vorhaben war seit Monaten an der Uni bekannt und von den zuständigen Stellen abgesegnet. 5 Tage vorher brach, ausgehend von Teilen des AStA GÖ, die übliche Verleumdungskampagne los. Es folgten neben Einzelpersonen die Janusz Korczak Akademie München, das American Jewish Committee AJC und der israelische Botschafter, die sich in Presseerklärungen und Schreiben bis an den Minsterpräsidenten von Niedersachsen gegen die Ausstellung und für ihr Verbot aussprachen. Das AJC geniert sich nicht, Lügen selbst über unsere Partner im Libanon zu verbreiten. Die örtliche Presse stellte zunächst vor allem die "Kritik" an der Ausstellung in den Vordergrund, die breite öffentliche Diskussion führte aber dann zu einer differenzierteren Darstellung.

Als Folge des Widerstands verschob das Uni-Präsidium die Ausstellungseröffnung zunächst auf den 8.11., dann auf den fest zugesagten 15.11.. Wenige Tage vorher wurde auch dieser Termin gecancelt, jetzt mit der Zusage des Präsidiums, die Nakba-Ausstellung im Sommersemester 2017 "in einer angemessenen Präsentation in einem akademischen Rahmen" zu zeigen, d.h., die Ausstellung wird von der Universitätsleitung für seriös und zeigenswert gehalten. Wegen der umfangreichen Vorarbeiten zu Ausstellung und Rahmenprogramm, das wie geplant an der Uni stattfand, beschlossen die Veranstalter, die Nakba-Ausstellung alternativ vom 30.11. - 17.12.2016 in der Galerie Alte Feuerwache in Göttingen zu zeigen. Wegen des immensen Interesses an der Ausstellung, die Hunderte von Besuchern anzog, wurde die Ausstellung dort zuletzt bis zum 30.12. verlängert. Vermutlich wird die Nakba-Ausstellung im Sommersemester nicht wiederholt. Unten unser abschließender Brief an die Präsidentin der Universität Frau Prof. Dr. Ulrike Beisiegel.

"Kritik" des Fachschaftsrat Sozialwissenschaften der Uni Göttingen vom 27.10.2016
Antwort der Studierenden des Seminars Arabistik/Islamwissenschaften vom 8.11.2016
"Kritik" des American Jewish Committee vom 3.11.2016
Göttinger Tageblatt vom 15.11.2016
Göttinger Tageblatt, verschiedene Artikel
Hessische Niedersächsische Allgemeine vom 30.11.2016
Unser Brief an die Präsidentin der Universität