Workcamps von jungen Erwachsenen aus Deutschland für palästinensische Flüchtlingskinder

Beim WorkcampVon 1999 bis 2005 und im Jahr 2008 veranstalteten junge Erwachsene aus Deutschland jeden Sommer mehrwöchige Feriencamps für palästinensische Kinder und Jugendliche aus dem Flüchtlingslager Bourj Al-Shemali und Rashidiye im Südlibanon. Die Camps wurden von unserem Verein "Flüchtlingskinder im Libanon" in Zusammenarbeit mit mit der Evangelischen StudentInnengemeinde (ESG) Oldenburg und unserer Partnerorganisation im Libanon, The National Institution of Social Care and Vocational Training (NISCVT, früherer Name: Bait Atfal Assumoud), organisiert. Gefördert wurde das Projekt über die ESG Oldenburg vom Kinder und Jugendplan des Bundes.

Die Gruppe der deutschen TeilnehmerInnen wurde von unserem Verein auf die politische, soziale und kulturelle Situation im Libanon vorbereitet. Die Begegnung und Auseinandersetzung mit einer fremden Kultur, das persönliche Erleben eines politischen und sozialen Brennpunktes, die geforderte Kreativität, Toleranz, Team- und Einsatzbereitschaft erweiterten den Horizont der jungen TeilnehmerInnen und prägten ihre Persönlichkeit bis heute.

Beim WorkcampDie Feriencamps fanden in den Flüchtlingslagern Bourj Al-Shemali und Rashidiye in den Sozialzentren unserer Partnerorganisation NISCVT statt. Je nach Anzahl der WorkcamperInnen nahmen 50-100 palästinensische Kinder und Jugendliche im Alter von 6-16 Jahren am Workcamp teil. Diese kommen alle aus den Flüchtlingslagern und leben in ärmsten Familienverhältnissen. Viele von ihnen sind Patenkinder unserer Partnerorganisation NISCVT, das bedeutet, sie sind Halb- oder Vollwaisen aus Familien ohne Einkommen, die von “Pateneltern” aus dem Ausland, auch aus Deutschland, unterstützt werden. Für die Kinder war das Feriencamp ein einzigartiges Freizeitangebot. Es beinhaltet vor allem kreative, musische und sportliche Aktivitäten, Ausflüge und Feste. Bei den kreativen Angeboten wurden nur Materialien verwendet, die im Lager erhältlich sind und kaum Kosten verursachen. Manche Aktivitäten konnten mit Hilfe von Sachspenden aus Deutschland verwirklicht werden (Laubsägen, Flöten u.ä.). Wegen der desolaten Schulsituation mit häufig 50 Schülern in einer Klasse ist das Bedürfnis der Kinder, etwas zu lernen, so groß, dass auch schulische Angebote wie z.B. Unterricht in Englisch und Geographie oder auch Erste-Hilfe-Kurse in das Programm aufgenommen wurden. Die Ausflüge ans Meer und in die Umgebung stießen bei den Kindern und Jugendlichen immer auf ganz besondere Begeisterung, da sie sonst nur selten das Lager verlassen. Die jungen Erwachsenen aus Deutschland waren immer wieder tief beeindruckt davon, wie ausgelassen und engagiert alle Altersstufen von Kindern und Jugendlichen selbst bei einfachsten Bastelangeboten und Spielen dabei waren.

Die den palästinensischen Flüchtlingen verweigerte Anerkennung ihres Rechts auf Rückkehr in ihre Heimat, den heutigen Staat Israel, und ihr Ausschluss aus der libanesischen Gesellschaft verurteilen sie zu einem isolierten Randgruppendasein ohne jegliche Perspektive. Ohne konkrete Wurzeln im Heimatland ihrer Eltern und Großeltern zu haben und ohne gesellschaftliche Anerkennung im Aufnahmeland Libanon zu finden, fehlt gerade den Kindern und Jugendlichen die Gewissheit der eigenen Identität, die ihnen erst das nötige Selbstwertgefühl geben kann. Durch die Fereincamps konnten sie erfahren, dass sie nicht von aller Welt vergessen sind, sondern daß sich junge Menschen aus Deutschland für ihr Schicksal interessieren und bereit sind, sie uneigennützig zu unterstützen. Dies erfüllt sie immer noch mit Stolz und ermutigt sie, ihren Lebensalltag zu bewältigen.

Aufgrund der in den letzten 3 Jahren problematischer gewordenen politischen Lage im Südlibanon wurde die Durchführung eines Workcamps immer schwieriger. 2006 und 2007 konnten wegen des Julikrieges bzw. der Zerstörung des palästinensischen Flüchtlingslagers Nahr Al Bared keine Workcamps stattfinden. Diese zweijährige Unterbrechung hinterließ Spuren im Organisationsschema des Arbeitskreises Workcamp, welcher es sich zur Aufgabe gemacht hatte, das Workcamp aufrechtzuerhalten und mit vorzubereiten. Ebenso fand in den Lagerzentren unserer Partnerorganisation NISCVT ein Umdenken bezüglich des Workcamps statt. Das stets erfolgreiche Projekt „Workcamp“ wurde deshalb abgeschlossen.

Andere Projektideen sind dafür entstanden und wurden von NISCVT erfreut aufgenommen. Geplant ist nun im Sommer 2010 ein Pfadfindertreffen zwischen deutschen und palästinensischen Pfadfindern aus den zwei Flüchtlingslagern Bourj Al-Shemali und Rashidiye im süddeutschen Raum.

Spender und Helfer sind natürlich auch hierfür herzlich willkommen!

Der Vorbereitungskreis der Workcamps hat eine eigene Webseite:

http://www.aklibanonworkcamp.de/

Kontakt: Natalie Hazzourie, e-mail: nhazzouri(at)lib-hilfe.de

[Bericht vom Workcamp 2003]
[Bericht vom Workcamp 2005]
[Bericht vom Workcamp 2008]

 

 

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