Im Sommer 2008 kam nach zweijähriger Pause durch Krieg und Unruhen im Libanon endlich wieder ein Workcamp zustande. In der Zeit vom 28 Juli bis zum 24. August, war eine Gruppe von 12 jungen Menschen in zwei bei der Stadt Sour gelegenen Flüchtlingslager im südlichen Libanon tätig. Dabei handelte es sich um das Lager Rashediye, mit dessen Center der Partnerorganisation (NISCVT) schon seit Jahren eine Zusammenarbeit besteht. Gerade in der Eröffnung begriffen war hingegen das Center des Lagers Al-Bass, in dem zum ersten Mal die Sommeraktivitäten stattfanden.
Die ersten Tage im Lager mussten wir uns zunächst an die hohen Temperaturen, den umherliegenden Abfall, die wirr umherhängenden Stromkabel und die täglichen Stromausfälle gewöhnen. Auch die Enge in den schmalen Gassen zwischen den für unsere Verhältnisse unfertigen Häusern war ungewohnt.
Die Arbeit mit den etwa 100 Kindern im Alter von 6 bis 15 Jahren und den palästinensischen Volontären startete jeden Tag mit einem gemeinsamen Morgenkreis, bei dem gesungen, geklatscht und gespielt wurde. Danach war jeder wach.
Die Vormittage verbrachte wir mit Basteln, Singen, Tanzen und Spielen. Jeder von uns arbeitete mit einer Gruppe von ca. 20 Kindern. Das Bastelangebot, das von jeder Volontärsgruppe altersgerecht gestaltet wurde, war vielfältig: Bälle wurden gefilzt, Stelzen und Drachen gebastelt, Fotos wurden von den Kindern geschossen, jongliert wurde mit selbst gemachten Bällen, Taschen wurden genäht und gebatikt und stolz im Camp herumgetragen - die Liste lässt sich beliebig fortsetzen. Die Verständigung mit den Kindern war nicht einfach, da die meisten Kinder kaum Englisch sprechen und verstehen können. Somit funktionierte alles nur mit Hilfe von Übersetzungen der ca. 15 palästinensischen Volontäre, die ebenfalls mit uns in den Gruppen tätig waren.
Alle Bastelprodukte wurden am letzten Tag auf der Final Party zusammen mit allerlei vorher eingeübten Tänzen, Dankesreden, Gesangseinlagen und einer nachgespielten traditionell palästinensischen Hochzeit den Eltern vorgeführt. Auch die Deutschen durften sich mit einem palästinensischen Volkstanz, auf der Bühne einbringen. Täglich hatte der Tanzlehrer des Centers geduldig mit uns geprobt.
Das gemeinsam von palästinensischen und deutschen Freiwilligen gestaltete Programm bestand auch aus Ausflügen, die besonders beliebt bei den Kindern waren. Ein besonderes Highlight für die Kinder war der Besuch eines Vergnügungsparks sowie eine Bootstour in Saida.
Außerdem sind hier die zwei „Fluss-Tage“ zu nennen, an denen stundenlang ausgelassen im Wasser getobt wurde. Neu und ungewohnt für die Deutschen war dabei, dass in Kleidung gebadet wurde und die Busfahrten von lauter Musik, Klatschen, Tanzen und Trommeln begleitet wurden, was einige Deutsche schmunzelnd mit „Chaos“ übersetzten.
An einem dieser Tage wurde auch eine kleine Sport- und Knobel-Olympiade veranstaltet, bei der sich Groß und Klein in gemischten Gruppen gegenseitig spielerisch herausforderten. Aber nicht nur deswegen war das diesjährige Motto „Challenge- Hand in Hand“, welches wir am ersten Tag mit jedem Kind in bunten Farben auf sein T-Shirt druckten. „Herausforderung“ heißt hier einerseits die bestmögliche Meisterung des schwierigen Alltags in Armut und Aus- /Eingrenzung in den Lagern. Andererseits fühlten auch wir uns herausgefordert, die sprachlichen und kulturellen Unterschiede bei der Verwirklichung des gemeinsamen Projektes zu überwinden.
Wichtig für uns waren neben der Zeit mit den Kindern auch die Nachmittage und Abende, an denen Zeit war, einen Einblick in das Leben im Flüchtlingslager zu erhalten und mit verschiedenen alten und jungen Menschen in Kontakt zu treten. Auf gemeinsamen Ausflügen mit den palästinensischen Volontären hatten wir die Möglichkeit, uns besser kennen zu lernen und Freundschaften zu schließen. Oftmals wurden wir von Familien nach Hause eingeladen und durften die große Gastfreundschaft und das wunderbare arabische Essen genießen. Viele Gespräche über die politische Situation gaben uns die Möglichkeit über die Lebenssituation und die vielfältigen Probleme der palästinensischen Flüchtlinge viel zu hören und unsere persönlichen Erfahrungen und Meinungen in Diskussionen austauschen.
Nach den vier bewegenden Wochen im Flüchtlingslager und der Verabschiedung von den Kindern und Volontären haben wir viele unterschiedliche Gedanken und Erfahrungen mit nach Hause gebracht, welche uns wohl noch lange beschäftigen werden.
Wir danken allen Spendern, dass wir durch Ihre Unterstützung diese Herausforderung annehmen durften und gute und bereichernde Erfahrungen machen konnten!
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