Studienreise in den Libanon und nach Syrien

Vom 1.11. bis 9.11.2003 führte der Verein "Flüchtlingskinder im Libanon e.V." eine Studienreise nach Syrien und Libanon durch.

Im Zentrum von Bait Atfal is-Sumoud in Shatila.


Ankündigung und Programm der Reise:

Der Verein "Flüchtlingskinder im Libanon" bietet in diesem Jahr zum 3. Mal allen Paten, Mitgliedern, Förderern sowie Interessierten eine Studienreise in den Libanon und nach Syrien an (Herbstferien in Baden-Württemberg).

Diese Reise soll die bestehenden Kontakte zu unserer Partnerorganisation The National Institution of Social Care and Vocational Training (NISCVT) pflegen und vertiefen. Die ReiseteilnehmerInnen werden vor Ort über die Lebens- und Alltagssituation der Palästinenser in den Lagern informiert werden. Durch den Besuch von verschiedenen Zentren kann ein aktuelles Bild über die Projekte und die Arbeit von NISCVT gewonnen werden. Die Mitglieder des Vereins, die Patenkinder unterstützen, sollen auf alle Fälle die Gelegenheit bekommen diese und ihre Familien zu besuchen und kennen zu lernen.

Neben den themenorientierten Besuchen und Gesprächen soll auch der Reiz und die Schönheit des Landes nicht zu kurz kommen. Es werden mehrere Ausflüge zu kulturhistorischen Stätten und zu eindrucksvollen Sehenswürdigkeiten auf dem Programm stehen.

Ein Höhepunkt der Reise wird die Besichtigung der syrischen Hauptstadt Damaskus - der Perle des Orients - und des aramäischen Wallfahrtsortes Maalula sein. Im Libanon werden wir die weltberühmte römische Tempelanlage in Baalbek, das Qadischa-Tal, die Hafenstädte Tripoli und Byblos, die Hauptstadt Beirut, die Stadt Saida und den Südlibanon besuchen.

Die Reise findet in Zusammenarbeit mit der Begegnungsstätte Dar Assalam in Wardaniyeh statt.

Vorläufiges Reiseprogramm:
(Änderungen vorbehalten)

1. Tag, Sa. 1.11.: Abflug um 15 Uhr ab Frankfurt mit der Syrian Arab Airlines, Ankunft in Damaskus 21.30 Uhr. Abendessen und Übernachtung im Gästehaus Mar Elias.

2. Tag, So. 2.11.: Maalula - Damaskus
Morgens Fahrt zum malerisch in einer Felsenschlucht gelegenen aramäischen Städtchen Maalula. Besuch des Sergius-Klosters und des Klosters der Hl. Thekla. Nachmittags Besichtungung der Altstadt von Damaskus: Omayyaden-Moschee, Al-Azem-Palast, Grab von Sultan Saladin und Hamam Nour El Din, Assad-Pascha-Karawanserei. Abends Treffen mit einem Vertreter der palästinensischen Flüchtlinge in Syrien.

3. Tag, Mo. 3.11.: Damaskus
Vormittags Spaziergang durch das christliche Viertel Bab Tuma mit Gerader Straße und Ananias-Kapelle, danach Besichtigung des Syrischen Nationalmuseums und der Tekkiyeh-Suleimaniyeh-Karawanserei. Fahrt in den Libanon. Übernachtung in der Stadt Zahle in der Bekaa-Ebene.

Baalbek4. Tag, Di., 4.11.: Baalbek - Qadisha-Tal
Fahrt in die Bekaa-Ebene zur Tempelanlage von Baalbek: sie ist eine der größten und besterhaltenen römischen Anlagen. Weiterfahrt über die Passstraße in das landschaftlich grandiose Qadisha-Tal. Besichtigung des Hl.Antonius-Klosters. Weiterfahrt nach Tripoli, Abendessen mit SozialarbeiterInnen von NISCVT. Übernachtung im Flüchtlingslager Beddawi.

5. Tag, Mi. 5.11.: Tripoli - Byblos
Gespräche im Flüchtlingslager. Danach Besichtigung der Altstadt von Tripoli, des ehemals wichtigen Handelsplatzes der Phönizier. Die mameluckische Architektur ist einmalig im Nahen Osten. Weiterfahrt zur Hafenstadt Byblos, eine der reizvollsten Städte des Libanon. Besichtigung der Zitadelle und des Ausgrabungsgeländes. Fahrt in den Süden nach Wardaniye. Abendessen und Übernachtung in Dar Assalam.

6. Tag, Do., 6.11.: Beirut
Besichtigung der Stadt Beirut: Ausgrabungen, Wiederaufbau der Hauptstadt nach dem Bürgerkrieg, Corniche mit Taubengrotte. Besuch des Flüchtlingslagers Sabra und Shatila, Information über die Situation der palästinensischen Flüchtlinge. Evtl. Kulturelle Abendveranstaltung in Dar Assalam.

7. Tag, Fr., 7.11.: Saida - Wardaniye
Fahrt zur nahegelegenen Hafenstadt Saida: Besichtigung der Altstadt von Saida: Kreuzritterburg, Karawanserei, Souk und Seifenmuseum. Ab 13 Uhr wird in Dar al Salam ein Fest mit den Patenkindern der an der Reise teilnehmenden Paten und Patinnen, den SozialarbeiterInnen und der Leitung der Hilfsorganisation NISCVT stattfinden.

8. Tag, Sa., 8.11.: Tyrus
Fahrt in den Süden zur Stadt Tyrus. Besichtigung des weitläufigen Ausgrabungsgeländes mit römischer Nekropole, Hippodrom, Triumphbogen, Kolonnadenstrasse. Besuch der Flüchtlingslager Rashidiye und Bourj al Shemali.

9. Tag, So., 9.11.: Rückreise
Abflug ab Beirut mit der Middle East Airlines um 9.25 Uhr. Ankunft in Frankfurt um 12.45 Uhr.

Die Paten haben - wie bei den früheren Reisen - die Gelegenheit in den Flüchtlingslagern die Familien ihrer Patenkinder zu besuchen.

Vor der Reise findet ein Vorbereitungstreffen statt, um organisatorische und inhaltliche Fragen zu klären. Sollte die politische Situation im Libanon unsicher sein, würde die Reise nicht stattfinden.

Reiseleitung:
Hans-Ulrich Dapp, Maria Zöllner
In Verbindung mit einheimischem Reiseleiter.

Reisepreis pro Person:
bei mindestens 16 TeilnehmerInnen: 1350 Euro, Einzelzimmerzuschlag: 160 Euro.

Leistungen:

Zusätzliche Kosten entstehen für:
Anreise zum Flughafen nach Frankfurt, Getränke, evtl. Mittagessen.

Weitere Informationen und Anmeldung bei:

Maria Zöllner • Tel/Fax 07121-907005 • e-mail mzoellner@lib-hilfe.de

Hans-Ulrich Dapp • Tel.: 07071-34314 • e-mail hudapp@lib-hilfe.de

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Reisebericht:

Vom 1. bis 9. November fand die 3. Studienreise in den Libanon mit Abstecher nach Syrien (Damaskus) statt. Zielsetzung der Reise war einesteils die Information über die Lebens- und Alltagssituation der PalästinenserInnen in den Lagern und über die Arbeit unserer Partnerorganisation Bait Atfal Assumoud (BAS = National Institution of Social Care and Vocational Training NISCVT) und zum anderen das kennen lernen von Land und Leuten, der Geschichte und der Kultur der Region.

Das erste Ziel unserer 22köpfigen Reisegruppe zwischen 11 und 80 Jahren war die syrische Hauptstadt Damaskus. Wir tauchten gleich tief in die orientalische Kultur ein und nahmen begeistert die vielfältigen Eindrücke beim Spaziergang durch die Altstadt mit ihren Karawansereien, Moscheen, Kaffeehäusern, den Altdamaszener Bürgerhäusern auf. Besonders angetan hatte es uns der weitläufige Suq mit seinen unzähligen Läden, die alle Herrlichkeiten des Orients anpreisen. Manch einer oder eine hätte sich hier gerne verlieren wollen. Der halbtägige Abstecher in das malerisch im Antilibanongebirge gelegene aramäische Dorf Maalula bildete einen ruhigen Kontrast zu der quirligen Hauptstadt.

Am Montagnachmittag reisten wir in den Libanon ein und während die Gruppe die römische Tempelanlage in Baalbek besichtigte, konnten die ersten Paten im Flüchtlingslager Wavel ihr Patenkind mit Familie treffen. Bei sternenklarem Himmel fuhren wir auf der Passstrasse über das Libanongebirge nach Bscherre. Nachdem wir am Dienstag die Schönheit des Qadisha-Tals bei einer kleinen Wanderung genossen hatten, erreichten wir am Nachmittag die Stadt Tripoli. Das gemeinsame Abendessen mit den MitarbeiterInnen der Sozialzentren von BAS in den Flüchtlingslagern Bedawwi und Nahr el Bared war für beide Seiten eine gute Gelegenheit sich kennen zu lernen und auszutauschen. Man unterhielt sich angeregt und als nach dem Essen die Wasserpfeifen kreisten und Dalal und Said arabische Lieder anstimmten und die Anwesenden zum Dabke-Tanzen animierten, fiel es am Ende des Abends allen schwer sich zu verabschieden. Am nächsten Morgen teilte sich die Gruppe: die eine Hälfte besuchte das Zentrum von BAS in Nahr el Bared, die andere Hälfte informierte sich über die Situation in Bedawwi.

Auf der Fahrt zur Begegnungsstätte Dar Assalam in Wardaniyeh wurde in der Hafenstadt Byblos Halt gemacht. Wir genossen die friedliche Atmosphäre des Ortes, bummelten durch die alten Gassen, man konnte die antiken Ausgrabungen zu besichtigen und manche nutzten die Gelegenheit um im Meer zu baden.

Am Donnerstag stand die Fahrt in die Hauptstadt Beirut mit Besuch des Flüchtlingslagers Shatila auf dem Programm. Zwei SozialarbeiterInnen von BAS führten uns zunächst durch das Lager, wir konnten uns annäherungsweise ein Bild der er-schütternden Lebensumstände der hier lebenden Menschen machen: kein brauchbares Trinkwasser - es muss kanisterweise gekauft werden, engste Gänge und Gassen, kaum Licht in den größtenteils maroden Behausungen, die Armut und Depression der Bevölkerung ist spür- und sichtbar (die Arbeitslosigkeit ist enorm hoch, viele Familien leben unter dem Existenzminimum). Das Sozialzentrum selbst platzt aus allen Nähten, bei einer 7-Tage-Woche werden 162 Waisen und Halbwaisen und deren Mütter betreut. Es gibt 4 Kindergartengruppen, Jugendsozialarbeit, eine Bücherei, eine Zahnarztpraxis, ein Stickereiprogramm für Mütter. Die extreme Situation im Lager verursacht neben Ernährungsmängeln häufig große psychische Probleme v.a. bei den Jugendlichen. Durch ein umfangreiches außerschulisches Angebot wird versucht dem entgegenzuwirken. Es gab niemanden in unserer Gruppe, der nicht emotional sehr aufgewühlt dieses Lager verlassen hätte.

Die Erfolge, die die Sozialarbeit von BAS bewirkt, wurden uns am Abend nach diesen einschneidenden Erfahrungen deutlich: Aus dem Zentrum des Lagers Rashidiyeh kam die Kindertanzgruppe in die Begegnungsstätte. Seit einem Jahr üben Kinder zwischen 9 und 12 Jahren mit der Sozialarbeiterin Ibtissam und 3 Volontären palästinensische Volkstänze ein - ein Angebot um die eigene Kultur zu pflegen und eine Möglichkeit, die Freizeit in einer Gruppe sinnvoll zu gestalten. Voller Freude führten sie uns ihr Programm vor und steckten uns mit ihrer Begeisterung an.

Der Freitag Morgen führte die Gruppe in die Schouf-Berge zur Fürstenstadt Deir el Qamar und zum Emirenpalast Beit Eddine. Hans-Ulrich und Marianne bereiteten währenddessen das Fest mit SozialarbeiterInnen von BAS und den Patenkinder einiger Mitreisender, das am späteren Nachmittag stattfinden sollte, vor. Kurz vor Sonnenuntergang kamen dann die Gäste und gemeinsam wurde die üppig bestellte Tafel des Ramadan-Essens geleert. In gemütlicher, familiärer Atmosphäre wurde das Wiedersehen gemeinsam gefeiert.

Der letzte Tag unseres Aufenthalts war dem Süden reserviert: Am Samstag Morgen fuhren wir nach Tyrus und besuchten zuerst das Lager Bourj al Shemali. Abu Wassim und Khawla erwarteten uns schon und zeigten uns die Räumlichkeiten des Zentrums: 3gruppiger Kindergarten, Zahnarztpraxis, Computerschulungsraum, die spärlichst ausgestatteten Räume des Housekeeping-Projekts, in denen sich Kartons mit Eingemachten stapelten. Neu für einige von uns waren der kleine Laden, in dem eigenen Produkte verkauft werden, und ein kleiner Museumsraum, in dem Gegenstände aus Palästina ausgestellt werden und Erinnungen von alten Menschen, die ihre Heimat noch kannten, an die Jungen weitererzählt werden. Anschlie-ßend fuhren wir ins Lager Rashidiyeh. Die Leiterin Mariam Suleiman zeigte uns ausführlich den großzügigen Neubau des Zentrums, in dem die Kindergartengruppen ihren Betrieb demnächst aufnehmen. Zum Ausklang besichtigten wir in der spät nachmittäglichen Sonne noch die berühmte Nekropole und das römische Hippodrom.

Dank der prima Organisation von Latife Aziz von der Begegnungsstätte Dar Assalam und der kompetenten Reiseleitung von Said Arnaout konnte das intensive Programm gut und problemlos durchgeführt werden und bereichert mit vielen neuen Erfahrungen und Eindrücken, Kontakten und Bekanntschaften kehrten die ReiseteilnehmerInnen am Sonntag nach Deutschland bzw. Österreich zurück.

Maria Zöllner (November 2003)

Fotos der Reise

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