Rosa-Wainer-Stipendium für palästinensische Schülerinnen
Dank der Schirmfrau unseres Vereins, der israelischen Rechtsanwältin Felicia Langer, haben wir aus der Erbschaft einer 1997 in Berlin verstorbenen Jüdin eine Spende in Höhe von insgesamt 27.500 Euro erhalten. Das Geld wurde längerfristig angelegt, um aus den Zinsen Ausbildungs-Stipendien für junge palästinensische Mädchen zu finanzieren. Den 40.000 palästinensischen Schüler/Innen im Libanon steht nur ein Berufsausbildungszentrum der UNRWA (United Nations Relief and Works Agency) mit ca. 600 Ausbildungsplätzen vor allem für männliche Schulabgänger gegenüber. Da staatliche Berufsschulen kaum Palästinenser aufnehmen und private für die Flüchtlinge unbezahlbar sind, bleiben vor allem Mädchen meist ohne Berufsausbildung. Durch einen Zuschuss von jährlich 500 € aus dem Rosa-Wainer-Stipendium haben seit dem Schuljahr 1999/2000 sieben palästinensische Mädchen eine abgeschlossene Ausbildung erhalten.
Die erste Stipendiatin war Muna Al-Kabbûli, ein vaterloses Mädchen mit 8 Geschwistern aus Nameh, einem südlich von Beirut gelegenen Ort. Sie erhielt eine einjährige Ausbildung zur Kindergärtnerin. Sie arbeitet seitdem im Kindergarten von NISCVT im Sozialzentrum in Shatila. Von 2000 bis 2003 wurde die 20jährige Shadia Shukair zur Krankenschwester ausgebildet. Shadia lebt im Flüchtlingslager Nahr el-Bared bei Tripoli im Nordlibanon. Ihr Vater ist 1982 während des Bürgerkrieges verschollen. Sie lebt mit ihrer Mutter und ihrer Schwester in einem Zimmer bei den Großeltern. Shadia arbeitete nach ihrer Ausbildung als Krankenschwester in einem Krankenhaus in Tripoli. Sie ging später mit ihrem Mann in die Golfstaaten. Wi'am Al-Hassan aus Bourj Al-Shemali im Südlibanon, Nirmine Sha'afati aus Bourj Al-Barajneh und Nuhad Mohsen aus Shatila, beides Flüchtlingslager in Beirut erhielten ebenfalls eine Ausbildung zur Krankenschwester. Mirna Al-Haj Moussa und Rana Salem, beide aus Rashidiye im Südlibanon, werden zur Erzieherin ausgebildet. Rana hat die Ausbildung im Juni diesen Jahres erfolgreich beendet, Mirna wird nach Ablauf eines weiteren Schuljahres fertig sein.
Ein wichtiger Aspekt dieses Stipendiums ist es für uns, dass damit junge palästinensische Flüchtlinge positive Erfahrungen mit jüdischen Menschen machen können. Ihre vollständige Isolation im Libanon lässt solche Erfahrungen nicht zu. Von Geburt an erleben sie Juden/Israelis vielmehr ausschließlich als Feinde, die Tod und Verderben über ihr Volk gebracht haben und bringen. Für einen zukünftigen tragfähigen Frieden zwischen Palästinensern und Israelis sind gegenseitige positive Erfahrungen aber eine Grundvoraussetzung.
Die Jüdin Rosa Wainer wurde 1922 in Dresden geboren. 1938 kam sie während des deutschen Nationalsozialismus 16jährig mit einem Kindertransport nach England. Dort arbeitete sie zunächst als Hausmädchen und später in einem Büro der englischen Armee. Ihre beiden Eltern wurden im Konzentrationslager Theresienstadt von den Nazis ermordet. Nach Kriegsende kam sie nach Deutschland zurück und zog nach Berlin, wo sie als Sozialarbeiterin tätig war. Sie war Zeit ihres Lebens politisch aktiv, sozial und links engagiert. Sie hat sich besonders für die Erhaltung der Menschrechte in Israel/Palästina eingesetzt. Das Schicksal der Kinder war ihr immer ein Anliegen. Regelmäßig hat sie eine Flüchtlingsfamilie in Palästina unterstützt. Am 23.10.1997 ist Rosa Wainer in Berlin verstorben. Rosa Wainer hat die Schirmfrau unseres Vereins, die israelische Rechtsanwältin Felicia Langer, testamentarisch damit beauftragt, ihr Erbe an palästinensische Flüchtlingskinder weiterzugeben. Rosa Wainer hatte Felicia Langer auf einer Veranstaltung in Berlin gehört und daraufhin auch ihre Bücher gelesen. Sie war von der engagierten Arbeit Felicia Langers tief beeindruckt. Beide haben sich aber nie persönlich kennen gelernt.
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