Ausstattung eines Kindergartens im Flüchtlingslager Ein Al-Helweh

Da die UNRWA (United Nations Relief and Works Agency for Palestine Refugees in the Near East) keine Kindergärten unterhält, der Lehrplan aber Vorschulerziehung voraussetzt, versuchen die verschiedenen Hilfsorganisationen, unter anderem unsere Partnerorganisation The National Institution of Social Care and Vocational Training (NISCVT), diese Lücke zu schließen. Deren Kapazitäten reichen aber nicht aus. Nur für gut die Hälfte aller 3-5-jährigen Kinder steht ein Kindergartenplatz zur Verfügung. Gleichzeitig drängen zunehmend finanziell gut ausgestattete fundamentalistische islamische Gruppierungen in diesen Bereich und versuchen ihren Einfluss auszudehnen. Umso wichtiger ist es, überkonfessionelle und parteipolitisch unabhängige Organisationen wie NISCVT zu unterstützen, die eine Vorschulerziehung anbieten, die Kreativität, Eigenständigkeit, Toleranz und Solidarität fördert.

Der Kindergarten in Ein Al-Helweh 1999 hat NISCVT im größten Flüchtlingslager Ein Al-Helweh bei Saida ein neues Zentrum errichtet, in dessen Erdgeschoss drei Kindergartenräume von unserem Verein ausgestattet wurden. In Ein Al-Helweh leben 40.000 palästinensische Flüchtlinge. Es ist das Lager mit den größten sozialen Spannungen, die zwischen den verschiedenen politischen Gruppierungen immer wieder zu Gewaltausbrüchen führen.

Mit ihrer Kindergartenarbeit will NISCVT neben der Vorschulerziehung vor allem soziales Verhalten, Verantwortungsgefühl, Toleranz und Selbstbewusstsein fördern. Auch die Förderung von Kreativität und Konzentrationsfähigkeit sind als Vorbereitung auf die Schulsituation unerlässlich. Die Kindergartenarbeit dient auch der Entlastung der Familien, indem sie die räumliche Enge vorübergehend erträglicher macht und es den Müttern der meist vaterlosen Familien ermöglicht, Nebenbeschäftigungen aufzunehmen und zum Einkommen der Familien beizutragen.

Der Kindergarten in Ein Al-Helweh Da es im alten Zentrum nur einen winzigen Raum gab, der 18 Kindergartenkinder aufnehmen musste, wurde 1999 eine neues Zentrum mit drei Kindergartengruppen gebaut. Die Ausstattung der drei Gruppenräume hat unser Verein übernommen. Das mit 6.000 Euro kleine Projekt wurde zu zwei Dritteln vom Baden-Württembergischen Wirtschaftsministerium mitfinanziert. Es umfasste die Beschaffung von Mobiliar, Spielgeräten, Spielen, Büchern und Bastelmaterialien. Alle drei Räume sind hell und freundlich. Eine zentrale Halle bietet die Möglichkeit für gemeinsame Spiele und Aktivitäten.

Die Arbeit im Kindergarten wurde bereits im Verlauf des Dezember 1999 in allen drei Gruppen aufgenommen. Ende Februar 2000 waren insgesamt 58 Kinder im Kindergarten angemeldet. Drei Kindergärtnerinnen und zwei freiwillige Helferinnen betreuen die Kinder. Jährlich besuchen heute 75 bis 80 Kinder den Kindergarten. Auch die Mütter der Kinder sind in das Kindergartengeschehen einbezogen. So kommen sie zum Geschichten-Erzählen in den Kindergarten und helfen bei Ausflügen und größeren Aktivitäten. Außerdem nehmen sie im Zentrum an den monatlichen Müttertreffen teil, bei denen sie sich unter anderem über Fragen der Erziehung und der Gesundheit austauschen und beraten werden. Dies erweitert den Horizont der zur ärmsten Bevölkerungsgruppe gehörenden Frauen und stärkt ihre Fähigkeit zu einer verantwortungsbewussten Erziehung. Die Entlastung ermöglicht es den Müttern außerdem, Arbeit aufzunehmen. Viele von ihnen können jetzt an dem Anfang 2000 neu begonnenen Stickerei-Projekt teilnehmen.

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